New Food Conference 2021: Fleisch und Milch neu denken

Foto: Koelnmesse GmbH

Bereits zum 3. Mal lud die New Food Conference Entscheidungsträgerinnen und -träger der Lebensmittelindustrie ein, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Diesmal als Hybrid-Veranstaltung und im Rahmen der Anuga 2021, der Leitmesse für Lebensmittel. Im Fokus: Werden wir die Welt künftig mit tierischen Produkten aus zellulärer Landwirtschaft ernähren?

New Food Conference trifft Anuga

Weiter Steaks, Fisch und Käse genießen, ohne den Tieren, der Umwelt und der eigenen Gesundheit zu schaden – auch dann noch, wenn wir bald neun Milliarden Menschen sind. Das ist die Vision der rund 20 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Investment-Sektor, die am 10. und 11. Oktober auf der New Food Conference in Köln sprachen. Die Ernährungsorganisation ProVeg hatte die internationale Konferenz organisiert. Erstmals als Hybrid und erstmals im Rahmen der weltgrößten Ernährungsmesse Anuga – der globalen Business-Plattform und Impulsgeberin für künftige Entwicklungen in der Lebensmittelindustrie.

Potenzial der zellulären Landwirtschaft

Fleisch von Tieren ohne die ethischen und ökologischen Probleme? Ja! Das will die zelluläre Landwirtschaft erreichen: Sogenannte kultivierte Lebensmittel sollen in Geschmack und Textur konventionellem Fleisch, Eiern und Milchprodukten ähneln. Gleichzeitig sollen sie erhebliche Vorteile für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und den Tierschutz bieten. Eine Reihe von Start-ups und andere Unternehmen arbeiten derzeit an der Entwicklung einer Vielzahl von kultivierten Lebensmitteln. Einige davon waren im Oktober 2021 auf der New Food Conference in Köln zu Gast.

Kultivierte Produkte sind noch nicht auf dem Markt erhältlich, werden aber in den kommenden Jahren einen wesentlichen Anteil am Proteinsektor haben. Nach Prognosen der international tätigen Unternehmensberatung Kearney könnte ab dem Jahr 2040 kultiviertes Fleisch 35 % des weltweiten Fleischkonsums ausmachen.

Die New Food Conference zeigt, wie die Zukunft schmeckt

Auf der New Food Conference gab es eine wortwörtliche Kostprobe, wie das mal aussehen (und schmecken!) könnte: David Brandes von Peace of Meat, das kürzlich von MeaTech übernommen wurde, servierte Fleischbällchen aus Soja und kultiviertem Hühnerfett. Für die Herstellung entnimmt das belgische Start-up Hühnereiern bestimmte Zellen und bereitet sie mit Hilfe von Bioreaktoren so auf, dass eine Fettmasse entsteht. Die sorgt für den Hühnchengeschmack – und für gewaltiges Interesse: Bei der Präsentation auf der New Food Conference drängten sich vor der Bühne Fotografen und Kamerateams.

Kostproben auf der New Food Conference: Fleischbällchen aus Soja und kultiviertem Hühnerfett

In Singapur gibt es bereits kultivierte Chicken Nuggets zu kaufen, insgesamt stellen gesetzliche Zulassungsverfahren aber noch eine Herausforderung dar. Auch eine kosteneffiziente Großproduktion gilt es noch zu meistern. Die Expertinnen und Experten sind sich aber sicher, dass diese Hürden genommen werden. Doch werden die Verbraucherinnen und Verbraucher die neuen Produkte auch kaufen? „Die Jüngeren, gut Informierten sind sehr offen dafür“, so Mathilde Alexandre, die bei ProVeg International das Projekt CellAg koordiniert. Besonders groß sei die Akzeptanz schon in Israel, neben Singapur der größte Hotspot für kultiviertes Fleisch. Allein rund um Tel Aviv sitzen sechs Firmen, die daran forschen.

Grafik: ProVeg CellAg

Fermentation: traditionelles Verfahren modern interpretiert

Ebenfalls groß im Kommen: die Präzisionsfermentation. Dabei werden Bakterien oder Hefen so „programmiert“, dass sie beispielsweise Milchproteine herstellen. In den USA gibt es bereits Speiseeis aus tierfreien Milchproteinen, in Deutschland arbeiten Unternehmen an Käse. Hier ist noch viel Luft nach oben, wie die New Food Conference zeigte. „Käse soll gesund sein, nachhaltig, lecker und kostengünstig – das kann noch kein Käse, ob pflanzlich oder mit Milch“, sagte Blue Horizon-Investor Nate Crosser in einer Panel-Diskussion. Kommt bald der Mozzarella aus Milch, aber ohne Kuh? Crosser: „Es ist eine große Herausforderung, aber wir Menschen können coole Sachen machen, wenn wir es versuchen.“

Die Fermentation verwendet Mikroorganismen zur Herstellung von Ei- und Milchprodukten

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