Das geheime Leben der Bäume

Imposante Buchen mit silbrig glänzender Rinde, die wie Elefanten anmuten und stolz ihre langen, geraden Stämme Richtung Himmel ragen. Ein dichtes, sattgrünes Blätterdach, das den Wald vor der Sonne schützt, die erbarmungslos vom Himmel scheint. Darunter kleine und größere Baumkinder, die im Dämmerlicht der großen Baumriesen ganz langsam und gesund heranwachsen dürfen. Mächtige, alte Totholzstämme, die liegend und stehend Lebensraum für mehr als 3.000 Insekten- und Pilzarten sind. Ein Boden, der das gesamte Jahr Wasser speichert, wie ein Schwamm, und vor Leben strotzt… Ungefähr so würde Deutschland ohne menschlichen Einfluss auf 90% der Landesfläche aussehen.

Tatsächlich ist dieses Bild in Deutschland jedoch kaum noch zu finden, da es kein einziges Waldstück gibt, das noch nie vom Menschen angetastet wurde. Auch Buchenwälder, in denen ein Großteil der Bäume ein Alter von 180 Jahren und älter haben machen nur noch einen Anteil von 0,16 % der Landesfläche aus, obwohl Deutschland zu einem Drittel bewaldet ist. Stattdessen prägen Monokulturen aus nicht-heimischen Nadelbäumen, wie Fichte oder Douglasie, sowie Kahlschläge das Waldbild Deutschlands.

Wenn man jedoch einen genaueren Blick auf die noch verbliebenen, naturnahen Waldstücke Deutschlands wirft, kommen die erstaunlichen Fähigkeiten intakter Waldökosysteme zum Vorschein. Sie erinnern ein wenig an das kleine Asterix-Dorf in Gallien, das stoisch, standhaft und mit gemeinschaftlichen Kräften gegen alle Widrigkeiten strotzt.
Denn Gemeinschaft wird im Wald ganz groß geschrieben. So verbindet sich beispielsweise eine Mutterbuche über die Wurzeln mit dem eigenen Nachwuchs, um ihn mit Zuckerwasser zu versorgen und ihm den Start ins Leben zu erleichtern. Die Unterstützung hört jedoch nicht bei dem eigenen Nachwuchs auf, auch kranke, schwache oder alte Buchen werden von der umstehenden Baumgemeinschaft über die Wurzeln mit stärkender Zuckerlösung versorgt.

Obwohl Bäume einen eher stillen Eindruck machen, geht es im Wald ziemlich geschwätzig zu. Informationen über Insekten, die an Blättern knabbern oder drohende Trockenheit können auch über das Wurzelnetzwerk an die Nachbarbäume weitergegeben werden. Pilze unterstützen die Bäume bei der Informationsweitergabe, indem sie sich mit ihren feinen Fäden, wie Glasfaserkabel durch den ganzen Boden weben und so ein regelrechtes Internet im Wald bilden. Die Waldluft ist zudem voll gepackt mit Duftvokabeln, mit deren Hilfe sich die Bäume auch oberirdisch austauschen können.

In der Gemeinschaft bestens versorgt und informiert können Bäume Großartiges vollbringen. So sorgen die Waldbäume beispielsweise selbst für ihr feucht-kühles Wohlfühlklima. Um die Waldluft runter zu kühlen verdunsten sie über die Blattunterseite Wasser. Man könnte auch sagen, dass sie schwitzen. Am liebsten schwitzen Buchen und Co. gemeinschaftlich. Wenn das Kronendach schön dicht geschlossen ist, können die Bäume die Waldluft so an heißen Sommertagen im Schnitt um rund 9 Grad weiter herunterkühlen als das in einer unnatürlichen Nadelbaum-Plantage möglich ist. Durch das gemeinschaftliche Schwitzen entstehen zudem Wolken über den Wäldern, die zusätzlich für das wertvolle Nass von oben sorgen. Natürliche Wälder sind daher auch echte Regenmacher und können das lokale Klima deutlich beeinflussen.

Auch in den unteren Etagen ist der positive Einfluss eines intakten Waldes deutlich spürbar. Das weit verzweigte Wurzelnetzwerk hält den kostbaren Waldboden fest und verhindert, dass er bei starkem Regen weggeschwemmt wird. Unter den Waldriesen bleibt der Boden zudem luftig, locker und aufnahmefähig wie ein Schwamm. Er bietet unzähligen winzigen Lebewesen ein zu Hause und Nahrung, die fleißig daran arbeiten, dass neuer fruchtbarer Waldboden entsteht. Langsam und allmählich werden auch die Grundwasserreserven durch den durchsickernden Regen aufgestockt und auch die Wasserspeicher für die Bäume tanken sich regelmäßig auf.
Ein echtes Netzwerk eben, in dem alles mit allem zusammenhängt. Der Wald hält noch eine Fülle weiterer Geheimnisse bereit, die wir noch nicht gelüftet haben. Die momentan verbreitete Art und Weise der Forstwirtschaft nimmt hierauf allerdings kaum Rücksicht. Es ist daher an der Zeit die Forstwirtschaft neu zu denken und vor allem auch entsprechend zu handeln, sodass die Geheimnisse des Waldes bewahrt werden. Der neue Studiengang „sozialökologische Waldbewirtschaftung“ macht es sich zur Aufgabe Alternativen aufzuzeigen und Waldschutz sowie Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen, damit sich auch die folgenden Generationen noch über üppig grüne Wälder freuen können.

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