TransFARMation – um das Leid von Tieren UND Landwirten/-wirtinnen zu stoppen!

Erfolgreich in der Landwirtschaft arbeiten – ohne Tiere auszubeuten? Immer mehr Bäuerinnen und Bauern verspüren diesen Wunsch, es fehlt ihnen jedoch trotz zunehmendem Leidensdruck der Mut und das Wissen zur Umsetzung. In der Schweiz gibt es eine Bewegung, die auch für Deutschland Vorbild sein könnte: TransFARMation. Gründerin Sarah Heiligtag vom Lebenshof HOF NARR unterstützt seit 2017 gemeinsam mit weiteren engagierten Menschen kostenlos Eier, Milch- oder Fleischproduzenten und -produzentinnen dabei, ihre Bauernhöfe schrittweise auf eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Tiernutzung umzustellen und weiterzuentwickeln. Je nach Situation können die Tiere mit einem Lebenshofkonzept auf dem Hof bleiben und bei der Vermittlung von Tierschutzanliegen und dem Aufbau einer Unterstützungsgemeinschaft helfen. 

„Auf einmal sah ich, dass in dem Tier ein Jemand zu Hause war, ein Jemand, der leben wollte …“

 

Michael ist einer der Landwirte, die sich an die Organisation gewandt haben. Als Schweinezüchter hatte er es weit gebracht, erledigte allerdings seit längerer Zeit keine Stallarbeiten mehr, sondern leitete vom Büro aus sämtliche betriebsrelevanten Belange. Bis zu dem Tag, an dem seine Angestellten beide krank waren und er einspringen musste. Im Stall kam es zu dem Moment, der alles ändern sollte, wie er berichtet:

„Im Blick einer Sau meinte ich die Frage zu lesen: ,Was tun wir hier, wie lange noch?‘
Ich spürte den Schmerz, den himmelschreienden und dennoch stillen Schmerz einer Seele, die alles hier für ein großes Missverständnis hielt. Gibt es etwas Schlimmeres, als wenn dir ein leidendes Wesen elende Umstände bewusst macht und davon überzeugt ist, dass du diese niemals willentlich verursachen könntest? Kennt ihr das Gefühl, wenn jemand dir in die Augen schaut und sagt: ,Ich weiß, dass du so was nie tun würdest‘?
Ich hoffe, ihr kennt es nicht, weil ihr noch nie jemanden verraten habt!

In dem Moment realisierte ich, dass in diesem Schweinekörper ein Jemand zu Hause war! Jemand, der fühlt, denkt, leben will. Jemand, der eingesperrt ist, um als Gebärmaschine dahinzuvegetieren. Jemand, der seine Jungen lieben will. Jemand, dem wir sie wegnehmen, um sie zu töten. Mir wurde schlecht, ich musste raus und übergab mich. ,Nie wieder!‘, sagte ich nur immer wieder. ,Nie wieder.‘“ Schon diese Geschichte zeigt: Die Tötung der Tiere ist das eine, ihr (oft kurzes) Leben davor das andere. Über dieses Leben sinniert etwa der ehemalige Milchproduzent Lukas: „Die Tiere verlieren ihr Leben lange vor der Schlachtung.“

Wie Michael und Lukas geht es vielen Bäuerinnen und Bauern. Oft sind es ein intensives, herzergreifendes Erlebnis mit einem Tier oder ein bereits länger gespürtes, in der täglichen Praxis verdrängtes, nun aber zunehmendes Unbehagen den Tieren gegenüber, die den ersten Impuls für eine Veränderung setzen. Die vermeintliche Normalität, in der Tiere vom Menschen als Ware degradiert werden, gerät ins Wanken und sorgt schließlich dafür, dass Betroffene TransFARMation kontaktieren und eine Umstrukturierung ihres Betriebes angehen. Die mit einer solchen Neuorientierung einhergehenden ökologischen und betriebswirtschaftlichen Vorteile sind willkommene Nebeneffekte.

Der entscheidende Punkt bei der Beratung: Es geht nicht um einen generellen Ausstieg aus der Landwirtschaft, sondern um eine Veränderung innerhalb des Betriebes. Dass diese möglich ist, empfinden viele als regelrechte Offenbarung! Information ist das Schlüsselwort, denn nur wer weiß, wie er etwas ändern kann, wird es auch tun und damit langfristig Erfolg haben.

Besonders häufig sind es Milchbauern und -bäuerinnen, die das wirtschaftsfördernde Trennen von Kuh und Kalb nicht mehr aushalten. Aber auch Mutterkuhbetriebe, Schweinehaltende und sogenannte Geflügelbetriebe ertragen das selbst verursachte Leiden unzähliger Tiere nicht mehr und stellen ihre Produktion um: vom tierischen auf pflanzliches Eiweiß. Der ehemalige Milchwirt Lukas etwa produziert heute Linsen und Gemüse, Ex-Schweinezüchter Michael baut Hafer und Soja an. Zwei Kulturen, die sich bestens für die Schweizer Böden eignen. Außerdem plant er, den Schweinestall für die Pilzproduktion zu nutzen.

Die Betriebe, die mit ihren Tieren Bildungsarbeit betreiben, führen häufig ein Patenschaftssystem ein, zumal die wertvolle Öffentlichkeitsarbeit zeitintensiv ist und der landwirtschaftlichen Produktion weniger Ressourcen lässt. Wenn Menschen Tieren begegnen, können sie die Kritik an der sogenannten Nutztierhaltung am besten verstehen, können von den Tieren selbst lernen, dass es keine relevanten Unterschiede zwischen Haus- und Nutztieren gibt. Äußerliche Merkmale rechtfertigen keine Ungleichbehandlung wie sie von unserer Gesellschaft bei der Tierproduktion akzeptiert wird. Auch fehlen schnell sämtliche Argumente für die Instrumentalisierung von Tieren, sofern praktikable Alternativen bestehen.

Während der TransFARMation entdecken die Betriebe diese Alternativen und bauen neue Absatzkanäle auf. Es gibt zahlreiche Konzepte, deren Umsetzung TransFARMation auf Wunsch mit Ideen, Budgetierung bzw. Businessplan sowie der Zusammenführung mit einer interessierten Kundschaft begleitet und dabei stets die individuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse des jeweiligen Hofes im Blick hat. Für die sich weiterentwickelnden Betriebe ist zudem die Vernetzung für den Austausch von Erfahrungen und Dienstleistungen äußerst wertvoll.

Im Umstellungsprozess ist auch die eigene Transformation gegeben. „Wenn du einen Schritt in der Veränderung gehst, öffnen sich neue Türen, und du wirst am Ende feststellen, dass sich von deiner Landwirtschaft bis hin zum eigenen Konsumverhalten ganz schön viel geändert hat. Und es fühlt sich vollkommen und richtig an – wie zu sich selbst nach Hause zu kommen“, erklärte Manuel, der seinen Schweinebetrieb umgestellt hat, so treffend.

120 Landwirtschaftsbetriebe hat TransFARMation bis 2022 bei der Umstellung von „nutztierbasiert“ auf „pflanzenbasiert“ beraten und begleitet, 25 weitere stecken gerade mitten im Prozess. Viele weitere fühlen sich davon inspiriert sowie motiviert und gehen neue Wege, ohne vorher TransFARMation zu kontaktieren. Wer von seinen „transFARMierenden“ Erfahrungen berichtet, wirkt, das hat Sarah Heiligtag nach fünf Jahren festgestellt, als Multiplikator einer Bewegung, der die Zukunft gehört!

Denn schlussendlich ist eine TransFARMation genau die Transformation, die unsere Erde so dringend braucht! In Angesicht der Klima- und Biodiversitätskrise die unsere aller Zukunft in Bedrängnis bringt, birgt sie Lösungen, die es der Menschheit ermöglichen, wieder innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften.
Mit der Tiernutzung aufzuhören ist demnach nicht nur eine Herzensbefreiung, es eröffnet auch spannende Wege für eine ökologisch wertvollere Landwirtschaft mit neuer Wertschöpfung ab Hof. Wenn auf Ackerflächen statt Tierfutter Nahrungsmittel für Menschen angebaut werden, dann birgt das ein großes ökologisches Potenzial, denn der Weg über das Tierfutter ist eine Flächen- und Ressourcenverschwendung. Wird zudem Importfutter und Dünger verwendet, dann ist die Tierhaltung Teil der Schädigung von Ökosystemen außerhalb des eigenen Landes sowie der massiven Überdüngung der Böden und Gewässer, die die Artenvielfalt bedroht. Ein Liter Hafermilch ab Hof etwa verbraucht 10-mal weniger Land und verursacht 4-mal weniger Treibausgase als ein Liter Kuhmilch!

Von daher ist TransFARMation auch Teil einer Agrarwende, die von immer mehr Menschen nachgefragt wird. Der Ersatz von Fleisch, Käse und Milch durch hochwertige pflanzenbasierte Produkte mit Zutaten vom eigenen Feld ist eine Entwicklung, die alles umkrempeln und eine viel effizientere Landwirtschaft ermöglichen wird, als wir sie heute kennen.

Die Menschheit wird immer davon abhängen, dass die Landwirtschaft ihre Nahrung produziert – wenn dies gewaltfrei, fair und klimafreundlich passieren kann, ist letztendlich ALLEN geholfen: den Konsumentinnen und Konsumenten, den landwirtschaftlichen Betrieben und natürlich den Tieren. Die Stiftung Zukunft jetzt! bemüht sich daher mit Kooperationspartnern/-partnerinnen darum, Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die die TransFARMation, sprich die Transformation der Landwirtschaft, auch in Deutschland nachhaltig vorantreiben kann.

TransFARMation in einem kurzen Video erklärt

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