Froschschenkel: Wenn Gourmets zu Artenkillern werden

Jedes Jahr im April findet im Städtchen Vittel, in den französischen Vogesen, das „Fest der Frösche“ statt. Doch was klingt wie eine große Naturschutzveranstaltung zu Gunsten bedrohter Amphibien, ist in Wirklichkeit das krasse Gegenstück: Zum „Foire aux Grenouilles“ kommen vermeintliche Gourmets aus ganz Europa, um zwei Tage lang dem Konsum von Froschschenkeln in allen Variationen zu frönen: als Pastete, frittiert mit Pommes und Mayo oder in Knoblauchsauce. Bei reichlich Bier und Wein ist kaum einem der Gäste klar, dass diese vermeintliche Gaumenfreude riesige Tier-, Arten- und Naturschutzprobleme verursacht…

Denn pro „Fest der Frösche“ verzehren die 20.000 Gäste im Schnitt sieben Tonnen Froschschenkel. Das entspricht bis zu 350.000 Tieren, die für dieses Volksfest ihr Leben lassen. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn die Recherchen von Pro Wildlife zeigen: Insgesamt importiert die Europäische Union jährlich noch immer ca. 4.070 Tonnen Froschschenkel und ist damit der weltgrößte Importeur – mit schlimmen ökologischen Folgen: Diese 4.070 Tonnen bedeuten, je nach Größe der Tiere, 80 bis 200 Millionen getötete Frösche. Und das Jahr für Jahr! Ein Raubbau an der Natur, der schon seit den 1960er Jahren anhält und einen fatalen Dominoeffekt nach sich zieht:

Bis Ende der 1980er Jahren befriedigten Indien und Bangladesch die europäische Nachfrage nach Froschschenkeln. Abermillionen Amphibien, deren Hauptfutter aus Insekten und Schnecken besteht, wurden weggefangen. Die Froschpopulationen in beiden Ländern brachen zusammen, was zu Mückenplagen, Schädlingsbefall auf Feldern, Ernteausfällen und erhöhtem Pestizideinsatz führte. Indien und Bangladesch zogen Ende der 1980er Jahre die Notbremse und verhängten ein Exportverbot. Das Thema verschwand aus den internationalen Schlagzeilen, doch Indonesien nahm still die Rolle des Weltlieferanten ein und der Konsumrausch ging weiter.

Dreiviertel der derzeit von der EU importierten Froschschenkel stammen aus Indonesien, wo die Tiere in freier Wildbahn eingefangen werden. Die Bestände der größeren Arten werden sukzessive dezimiert; die einst wegen ihrer großen Beine häufig gehandelte Art, der Java-Riesenfrosch, ist schon vor Jahren aus dem Handel verschwunden. Und auch in der Türkei als drittgrößtem EU-Lieferanten schlagen Feldforschende längst Alarm: Wenn der Raubbau auf diesem Level weitergeht, so die erschreckende Prognose von Prof. Çiçek und seinem Team, werden die großen Froscharten bis 2030 ausgerottet.

Schockierend ist dies alles umso mehr, als dass in der EU weder der kommerzielle Massenfang heimischer Frösche noch ihre grausame Tötung ohne Betäubung erlaubt wäre. Dass Millionen Frösche anderswo abgesammelt und lebend zerteilt werden, nimmt die EU jedoch in Kauf. Um dies zu ändern, arbeitet Pro Wildlife eng mit der französischen Organisation Robin des Bois zusammen. Denn Frankreich ist in der EU der mit Abstand größte Absatzmarkt für Froschschenkel. Gemeinsam üben wir öffentlichen Druck aus: Durch unseren Bericht „Deadly Dish“, den wir der EU-Kommission vorlegten, durch Vorträge (wie z.B. auf der letzten CITES-Weltartenschutzkonferenz) und durch intensive Pressearbeit. Unser Ziel: Die EU soll die Importe von Froschschenkeln stoppen und sich für eine internationale Unterschutzstellung der Frösche einsetzen. Es kann nicht angehen, dass die EU für einen überflüssigen Gaumenkitzel die Artenvielfalt in Asien und anderswo weiterhin schädigt.

Dreiviertel der derzeit von der EU importierten Froschschenkel stammen aus Indonesien, wo die Tiere in freier Wildbahn eingefangen werden. Die Bestände der größeren Arten werden sukzessive dezimiert; die einst wegen ihrer großen Beine häufig gehandelte Art, der Java-Riesenfrosch, ist schon vor Jahren aus dem Handel verschwunden. Und auch in der Türkei als drittgrößtem EU-Lieferanten schlagen Feldforschende längst Alarm: Wenn der Raubbau auf diesem Level weitergeht, so die erschreckende Prognose von Prof. Çiçek und seinem Team, werden die großen Froscharten bis 2030 ausgerottet.

Weitere Informationen: Unser Report „Deadly Dish“ 

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Verena und Philipp aus Sigmaringen haben einen Bauernhof geerbt. Bisher wurde dort Milch produziert.
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