urgewald zur COP28: „Ein atemberaubender Interessenkonflikt“

Der CEO eines der größten Ölunternehmen der Welt als Präsident der Klimakonferenz? Der anfängliche Schock über die Ankündigung, dass Sultan Al Jaber, CEO der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die COP 28 leiten wird, hat noch nicht nachgelassen.

Gerade rechtzeitig zur diesjährigen UN-Klimakonferenz in Dubai hat urgewald im November die Aktualisierung der Öl- und Gas-Datenbank GOGEL veröffentlicht. Und die Daten haben es auch in diesem Jahr wieder in sich. Sie belegen, was eigentlich allseits bekannt ist und legen den Finger tief in die Wunde. Denn sie zeigen eins deutlich: Eine Kursänderung ist nicht in Sicht. Inmitten der Klimakrise suchen oder erschließen 96 % der in der GOGEL erfassten Unternehmen noch immer neue Öl- und Gasfelder. Eine zukunftsweisende Klimakonferenz hätten wir dringend gebraucht.

Dass ausgerechnet der Chef des Ölriesen ADNOC die diesjährige Klimakonferenz präsidierte, wirkte wie ein schlechter Scherz. Als Al Jaber kurz vor der COP die Wirksamkeit eines Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen öffentlich in Frage stellte, wurde nicht nur die mediale Aufmerksamkeit geweckt, sondern auch die Absurdität seiner Rolle deutlich. Papiere, die kurz vor der COP28 durchgesickert sind, deuten außerdem darauf hin, dass Al Jaber seine Position in bilateralen Treffen mit Staatsbeamten missbraucht hat, um das Öl- und Gasgeschäft von ADNOC im Ausland zu fördern.

Diese Farce konnte urgewald nicht unkommentiert lassen – und nutzte die COP, um den Gastgeber vor internationaler Kulisse zu kritisieren. Während einer Pressekonferenz stellten die Campaignerinnen Katrin Ganswindt (urgewald) und Fatima Eisam Eldeen (LINGO) ein detailliertes Briefing zu ADNOC vor. Sie machten unmissverständlich klar, wie sehr die Expansionspläne des Öl- und Gaskonzerns die Grenzen der 1,5-Grad-Erwärmung gefährden – und welche Unternehmen und Geldgeber ihn dabei unterstützen.

Das vorgestellte ADNOC Briefing verdeutlicht den Konflikt, der im Mittelpunkt der COP28 stand: Die gleiche Person, die in diesem Jahr die Verhandlungen zum Erreichen der Klimaziele präsidierte, führt ein Unternehmen, welches seine Ölproduktion bis 2030 um 25 % steigern will. Dass Sultan Al Jaber keinerlei Ambitionen hat, aus fossilen Brennstoffen auszusteigen, wird mehr als deutlich. Stattdessen beschönigt er seine fossilen Expansionspläne und behauptet, sie seien durch den Einsatz von CCS klimaneutral. Gemäß der Internationalen Energieagentur ist das Abscheiden und Speichern von Emissionen (Carbon Capture and Storage) aber völlig unzureichend, um die massiven Emissionen auszugleichen (vgl. IEA). Mit einer solchen Scheinlösung wird die Abkehr von Fossilen nur unnötig in die Länge gezogen.

Wenn man genauer drüber nachdenkt, ist die Überraschung über den Gastgeber leider gar nicht mehr so groß. Al Jaber passte eigentlich ganz gut ins Konzept einer Klimakonferenz, auf der man lieber über Scheinlösungen redet, statt den verbindlichen Ausstieg aus Fossiler Energie zu beschließen. In einer Zeit, in der mutige Schritte für den Übergang dringender gewesen wären denn je, machte diese Klimakonferenz vor allem eins deutlich: Ohne Druck aus der Zivilbevölkerung wird es so schnell kein Ende fossiler Projekte geben. Denn die Hintertüren stehen der fossilen Industrie auch nach dieser COP sperrangelweit offen.

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